Marktmeinung16.05.2018
Die Renditen steigen – aber nicht überall

Edi Aumiller, Country Head Switzerland von Legg Mason

Obwohl der Fokus derzeit auf dem Anstieg von US-Treasuries auf über 3% liegt, zeigt sich nun, dass die Zinsen auch anderswo angestiegen sind. Diese Entwicklung kommentiert Edi Aumiller, Country Head Switzerland von Legg Mason.

Die sogenannte Yield-To-Worst des Bloomberg Barclays Global Aggregate Index stieg auf 2% (Stand: 14. Mai) und lag damit deutlich über seinem Jahrestief von 1,47% am 7. September 2017. Fast alle Renditen der wichtigen fünf Staatsanleihen liegen über dem Niveau von Ende 2017. Ausnahmen bilden die Länder, die sich nach Krisen weiter normalisieren, wie Spanien und Griechenland.

Die Nominalzinsen in den USA liegen am oberen Ende der globalen Norm und ziehen Kapitalströme an, welche wiederum den US-Dollar in die Höhe treiben. Als Gründe für diese Diskrepanz nennt Edi Aumiller die Unterschiede in den Wachstumsraten, der Inflation, der Unabhängigkeit der Zentralbanken und der Handelsdynamik. Diese Gemengelage ändert sich von Minute zu Minute. Den Gegensatz würden, so Aumiller, beispielsweise die Renditen von 5-jährigen Staatsanleihen in Europa bieten: Die Schweiz und die Niederlande liegen bei -0,457% bzw. 0,187%, Grossbritannien und Italien bei 1,199% bzw. 0,774%. Die Rendite in Deutschland beträgt praktisch null (0,005%).

In Asien liegt die 5-Jahres-Rendite von Japan bei -0,103%, während sie in Australien und China 2,2427% bzw. 3,395% beträgt. Die angeschlagenen Volkswirtschaften in Brasilien, Argentinien und Griechenland haben eine Rendite für die 5-jährige Finanzierung in US-Dollar von 4,300%, 6,682% bzw. 3,092%. Argentinien und die Türkei sind mit 22,99% bzw. 15,59% die unglücklichen Gewinner bei den Schwellenländer-Anleihen in Lokalwährungen.

Benchmark-Renditen 5jähriger Staatsanleihen, 15.5.2018



Im Aufschwung: US-Unternehmensgewinne kehren heim
Aumiller meint, dass einer der Erfolge der Steuerreform die Abschaffung der Vorteile für US-Unternehmen, ausländische Gewinne im Ausland zu belassen, sei. Bargeld, welches aus diesen Gewinnen stammt, hat in der Tat begonnen, den Weg nach Hause zu finden und taucht in einigen Ecken des Marktes wieder auf. Eine dieser Ecken sind die institutionellen Geldmarktfonds. Das in den USA ansässige Investment Company Institute stellt fest, dass in der Woche zum 9. Mai netto 8,1 Milliarden Dollar in diese Strukturen flossen – der grösste Wert seit Mitte 2016. Prime-Fonds investieren in sehr kurzfristige Anleihen oder ähnliche Schuldverschreibungen von Unternehmen und erzielen in der Regel eine etwas höhere Rendite als Fonds, die per Gesetz auf Staatspapiere beschränkt sind.

Das Timing spricht für sich, kommentiert Aumiller: Das Gesamtvermögen in den Prime-Fonds liegt aktuell bei rund 204 Milliarden US-Dollar. Es ist das höchste seit September 2016, also einen Monat bevor die Geldmarktreform in Kraft trat. Diese Reform war eine Reaktion auf einen marktführenden Fonds, der "den Dollar gerissen" hat und dadurch Anteilsrücknahmen verzögerte. Mehr als 800 Milliarden US-Dollar flohen damals aus den Prime-Fonds in Fonds, welche in Staatspapiere investieren. Bis zum 2. November 2016 waren diese Fonds laut ICI bis auf ein Vermögen von 122 Milliarden US-Dollar zusammengeschmolzen.

Vermögen von Prime-Geldmarktfonds (institutionell), 6.5.2016 bis 6.5.2018



Dieses in Bewegung befindliche Geld sei aber nicht nur für Prime-Fonds relevant, so Aumiller. "Unternehmen, die Commercial Paper emittieren, könnten ihre eigene kurzfristige Kreditaufnahme reduzieren – bisher eine wichtige Stütze bei der Finanzierung von Aktienrückkäufen, Fusionen und Dividendenzahlungen", sagt der Experte. Durch die Reduzierung der Emissionen könnte eine Reduzierung des Angebotes an verfügbaren Commercial Papers möglich sein. Sollte die Nachfrage stabil bleiben, könnte diese Verknappung einen Abwärtsdruck auf die Renditen ausüben – einer der wenigen Orte, an denen dieser Druck derzeit zu finden ist.

Am rutschen: Argentinischer Peso – bis zu einem gewissen Grad
Am Montag hat die argentinische Zentralbank, die BCRA, einen bedeutenden Vorstoss unternommen, um ihre von Abwertung gebeutelte Währung zu verteidigen – und sie hat das Gefecht auf den Märkten am Folgetag gewonnen. Die Bank hat dem Markt fünf Milliarden US-Dollar für 25 Pesos pro US-Dollar zugesagt – fast zehn Prozent der Devisenreserven des Landes. Am Dienstag hielt der Peso an diesem Kurs fest und stieg auf 23,77, bevor er leicht auf 24,06 zurückfiel.

Es gab zwei Komponenten für den Erfolg am Dienstag, erläutert Aumiller: "Erstens, eine Zusage an die Banken des Landes, sich an den Peso zu halten, was dazu beitrug, eine gewisse Marktunterstützung durch den Privatsektor zu erhalten. Zweitens ist die argentinische Währung weniger liquide. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) schätzt, dass der Peso in einem Volumen von etwa zwei Milliarden US-Dollar pro Tag gehandelt wird." Sogar der chilenische Peso weist einen höheren Umsatz auf - zwölf Milliarden US-Dollar pro Tag. Es werde berichtet, dass von den fünf Milliarden lediglich 1,1 Milliarden US-Dollar am Dienstag abgerufen wurden und somit noch einiges an trockenem Pulver vorhanden sei, um die Währung weiter zu verteidigen. 

Argentinischer Peso pro US-Dollar, 25.4.2018 bis 15.5.2018

Daher stellt sich der Experte die Frage, ob der generelle Vorteil von Schwellenländer-Anleihen in Lokalwährung aufgehoben werde und denkt, dass dies von der jeweiligen Anleihe und dem Land abhänge. "Auf jeden Fall könnte diese Entwicklung als eine von mehreren Nebenwirkungen der Geldflüsse in die USA angesehen werden", schliesst Aumiller.

 

 


Autor: sif

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