Marktmeinung11.01.2018
Attraktive Alternativen zum Euro

Stockholm, Hauptsitz der Sveriges Riksbank (Bild: Pixelio, Detlef Menzel)

Der Euro galt wegen der Schuldenkrise lange Zeit als Problemwährung. Fünf Jahre nach dem Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise ist der Euro wieder stabil und glaubwürdig. Dennoch bevorzugt Christophe Bernard, Chefstratege bei Vontobel, andere Währungen.

Spätestens seit der Schuldenkrise, sei das gesetzliche Zahlungsmittel der Eurozone zu einem beliebten Sündenbock wirtschaftlich kriselnder europäischer Länder geworden, so Christophe Bernard, Chefstratege bei Vontobel. Doch als tot könne der Euro schon lange nicht mehr erklärt werden. Im Rückblick auf die Währungsentwicklungen im Jahr 2017 fällt vor allem die Stärke der europäischen Währung auf. Sie gewann gegenüber allen anderen Hauptwährungen an Wert, insbesondere gegenüber dem US-Dollar (+14 Prozent).

Diese Wertsteigerung lässt sich gemäss Bernard auf drei Entwicklungen zurückführen. Erstens war der Euro 2017 gegenüber dem US-Dollar gemessen an der Kaufkraftparität deutlich unterbewertet. Allein diese Tatsache deutete auf ein Aufwärtspotenzial hin (siehe Grafik 1). Zweitens übertraf die wirtschaftliche Entwicklung der Europäischen Währungsunion die Konsenserwartungen deutlich. So wuchs das reale Bruttoinlandprodukt (wahrscheinlich) um 2,4%, während Ende 2016 1,6% prognostiziert worden waren. Verglichen mit der US-Wirtschaft, die 2017 (wahrscheinlich) um 2,3% zulegte, ist das ein gutes Ergebnis.

Grafik 1: Die Aussichten des Euro gegenüber dem US-Dollar erschienen Ende 2016 mässig 

Quelle: Thomson Reuters Datastream, Vontobel
 

Zu guter Letzt verlieh die Wahl des pro-europäischen Zentrumspolitikers Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten dem Euro kräftigen Auftrieb, da sie das wahrgenommene politische Risiko sinken liess, meint Bernard. Gleichzeitig schaffte es die Trump-Regierung nicht, Reformen für mehr Wachstum zügig zustande zu bringen. Das enttäuschte die hohen Erwartungen, die nach der Wahl im November 2016 entstanden sind.

Mittelfristig erwartet der Chefstratege, dass der Euro aufgrund des Leistungsbilanzüberschusses der Eurozone weiter in Richtung 1,25–1,30 US-Dollar steigt. Die kurzfristigen Aussichten seien jedoch weniger rosig. So zeigen interne kurzfristige Modelle eine Überbewertung gegenüber dem US-Dollar an. "Wir sehen den fairen Wert derzeit im Bereich 1.10–1.15 US-Dollar", so Bernard. Weiter sei die US-Währung überverkauft, sodass positive Überraschungen möglich sind. Ausserdem müssen die Marktteilnehmer die drei Zinserhöhungen, welche die US-Notenbank für dieses Jahr in Aussicht gestellt hat, erst noch einpreisen. Schliesslich dürften vor den demnächst stattfindenden Parlamentswahlen in Italien wieder politische Risiken aufkommen. Für weiteren Gegenwind könnten die noch immer ergebnislosen Koalitionsgespräche in Deutschland und die politische Hängepartie in Katalonien sorgen.

Die Schwedische Krone bietet eine Alternative zum Euro 
Bernard bezeichnet die schwedische Krone als eine naheliegende Alternative, die "billig" gegenüber dem Euro ist. Zudem dürfte sie davon profitieren, dass die Konjunktur kräftig anzieht und die Inflation in der Nähe des 2-Prozent-Ziels der schwedischen Notenbank liegt. Ferner ist der Experte davon überzeugt, dass die Riksbank vor der Europäischen Zentralbank zu einer restriktiveren Geldpolitik übergehen wird. 

Die Überbewertung des Schweizerfranken gegenüber dem Euro baut sich langsam, aber sicher ab. Auch wenn die Schwäche der Schweizer Währung zu EUR/CHF-Wechselkursen über 1,20 führen könnte, unterschätzt Bernard die fundamentale Attraktivität des Franken nicht: "Die langfristige Stärke der Währung ist auf den hohen strukturellen Leistungsbilanzüberschuss sowie den beneidenswert ausgeglichenen Haushalt der Schweiz zurückzuführen. Darüber hinaus wäre der Schweizerfranken bei enttäuschendem Weltwirtschaftswachstum eine nützliche Diversifikationsquelle", äussert der Chefstratege. 

Yen könnte schwächeln, Schwellenländerwährungen sind robust 
Obwohl der japanische Yen attraktiv bewertet ist, dürfte er aufgrund der Entschlossenheit der Bank of Japan den Märkten reichlich Liquidität bereitzustellen, in nächster Zeit schwach tendieren. Das britische Pfund bleibt indes die grosse Unbekannte. Es ist die am günstigsten bewertete Hauptwährung, sagt Bernard, doch die Unsicherheit im Zusammenhang mit den Brexit-Verhandlungen dürfte anhalten und sein Potenzial begrenzen.

"Wenn sich unser zentrales Szenario bewahrheitet, dürften sich die Schwellenländer-Währungen 2018 gut entwickeln", so Bernard. Ihre Realrenditen sind nämlich wesentlich höher als die der Industrieländerwährungen (siehe Grafik 2). Gleichzeitig sind die Schwellenländer-Währungen nicht überbewertet und robuster als früher, insbesondere im Vergleich mit der Phase des sogenannten "Taper Tantrum" im Mai und Juni 2013. Damals brachen sie ein, da die Investoren eine abrupte Straffung der US-Geldpolitik befürchteten.

Grafik 2: Schwellenländer-Währungen mit deutlich höheren Realrenditen

Bildlegende: Rote Balken: realer Leitzins Schwellenländer; blaue Linie: durchschnittlicher realer Leitzins Schwellenländer; schwarze Balken: realer Leitzins Industrieländer; gelbe Linie: durchschnittlicher realer Leitzins Industrieländer
Quelle: Thomson Reuters Datastream, Vontobel
 

Quintessenz
Der Euro dürfte gemäss Bernard 2018 nicht wieder der Gewinner sein, denn er muss seine jüngsten Wertzuwächse verarbeiten. Seine mittelfristigen Aussichten bleiben aber intakt. "Unserer Einschätzung nach dürfte die schwedische Krone 2018 gegenüber dem Euro zulegen. Insgesamt bevorzugen wir aber Schwellenländerwährungen. Für sie sprechen das günstige globale Umfeld, die angemessenen Bewertungen und die sowohl nominalen als auch realen Renditevorteile", schliesst Bernard. 


Autor: elt

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