Interview29.05.2018
"Anleger zieht es zurück nach China"

Bild: Pixabay

Im Interview mit Fondstrends spricht Jian Shi Cortesi, Portfoliomanagerin bei GAM, über die Entwicklung an den asiatischen Aktienmärkten und die Auswirkungen eines möglichen Handelskriegs.

Gab es Veränderungen bei den Kapitalflüssen in der Region?
Jian Shi Cortesi: Für mich ist der wirklich interessante Aspekt, dass die Kapitalzuflüsse in spezialisierte China-Aktienfonds in den letzten zwölf Monaten positiv geworden sind und sich das Momentum beschleunigt. Dies steht im starken Kontrast zu den letzten fünf Jahren als Ganzes – eine Zeit mit Kapitalabflüssen von insgesamt USD 9,9 Milliarden. Im Gegensatz zu China war der Gesamtzufluss in die breitere Region Asien ohne Japan in den letzten fünf Jahren positiv, vor allem dank des starken Zuflusses im Jahr 2017. Aber ebenso wie bei China hat sich das Momentum dieser Zuflüsse in den letzten Monaten beschleunigt, insbesondere im ersten Quartal dieses Jahres.

Können Sie diesen Stimmungsumschwung erklären?
Was die Anleger jetzt wieder zurück nach China zieht, ist eine Kombination aus einem stabilen wirtschaftlichen Umfeld, einem robusten Gewinnwachstum und moderaten Bewertungen. Bei anderen Märkten der Region Asien ohne Japan ist es ähnlich. Hier wird das Momentum von einem bestechenden Mix aus attraktiv bewerteten Aktien, günstigen Währungen und einer robusten Gewinnerholung angetrieben.

Machen Sie sich Sorgen über die Möglichkeit eines Handelskriegs?
Ich verwalte zwei Strategien – eine setzt auf die Umstellung der chinesischen Wirtschaft von der Export- hin zur Konsumorientierung, die andere auf ein breiteres Engagement in Asien ohne Japan. Die Positionierung der China-Strategie ist voll auf den wirtschaftlichen Wandel des Landes ausgerichtet. Infolgedessen sind fast 80% der verwalteten Vermögen in den Sektoren konsumentenorientierte Informationstechnologie, Finanzen, Gesundheitswesen sowie Basis- und zyklische Konsumgüter investiert. Unser Engagement im Finanzsektor konzentriert sich hauptsächlich auf Versicherungsunternehmen. Dies ist eine weniger offensichtliche Möglichkeit, auf das Thema des Binnenkonsums zu setzen. Die Zusammensetzung des breiteren Portfolios für Asien ohne Japan konzentriert sich ebenfalls auf diese fünf Bereiche. Der einzige nennenswerte Unterschied ist die geringere Gewichtung im Technologiesektor. Deshalb schätzen wir, dass ein Handelskrieg die Umsatzerlöse der von uns gehaltenen Unternehmen nur um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz mindern würde, möglicherweise nicht mehr als 1%.

Was sind die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale Ihrer Anlagestrategie?
Den Fokus auf den Binnenkonsum haben wir bereits angesprochen. Es ist sicherlich auch erwähnenswert, dass dies im Vergleich zum breiteren Markt eine Orientierung auf Unternehmen mit höheren Wachstumserwartungen und geringeren Schulden zur Folge hat. Darüber hinaus dürfte den meisten Anlegern bewusst sein, dass sich die Konjunkturdynamik in China verlangsamt. Dies ist jedoch eine aggregierte Verlangsamung, keine allumfassende. In bestimmten Konsumsektoren sind immer noch Wachstumsraten von weit über 10% zu beobachten. Dies ist der rasant wachsenden und zunehmend anspruchsvolleren Mittelschicht der Bevölkerung zu verdanken. Ein Fokus auf den Konsum in Verbindung mit einem informationsgestützten Investmentprozess, der die richtigen Wachstumsstorys zu einem angemessenen Preis identifizieren kann, ist ein sinnvolles Vorgehen.

Ein wichtiger Aspekt der Strategie für Asien ohne Japan ist ihre sorgfältige Ausrichtung auf Wertschöpfung aus mehreren Blickwinkeln. Wir beginnen mit Top-down-Analysen, um die gewünschte Ländergewichtung zu bestimmen. Dann definieren wir die Sektorallokation in diesen Ländern im Einklang mit den grossen Trends Konsumwachstum, alternde Bevölkerung, technologischer Fortschritt und Umweltschutz. Zuletzt werden die konkreten Wertpapiere für diese Allokationen anhand ihrer Fundamentaldaten ausgewählt. Das Ergebnis ist ein konzentriertes Portfolio aus 50-70 Positionen mit einem "active share" von 70-90%. In den letzten Jahren hat sich die Titelauswahl als wichtigste Quelle der relativen Outperformance erwiesen. Die Asset Allocation auf der Länderebene trug aber ebenfalls zur Wertentwicklung bei.

Sie haben den ‚active share‘ erwähnt. Warum ist die Differenzierung zur Benchmark so wichtig?
Die Region Asien ohne Japan ist ein riesiges Anlageuniversum. Es umfasst allein schon weit über 4000 Aktien von chinesischen Unternehmen, die an vier verschiedenen Börsen gehandelt werden, einschliesslich Hongkong und USA. Der lokale A-Aktienmarkt in Shanghai und Shenzhen ist der zweitgrösste Aktienmarkt der Welt. Die schiere Grösse dieses Chancenspektrums bedeutet, dass es für kompetente Manager mit guten Kenntnissen der lokalen Gegebenheiten viele unteranalysierte Anlagechancen gibt. Die Gewichtungen passiver Strategien richten sich dagegen nach der Marktkapitalisierung. Dies führt zu einer Konzentration auf die bekanntesten Unternehmen, die in der Regel ein wesentlich geringeres Wachstumspotenzial haben.

Es ist klar, dass sich eine Strategie, die lediglich die Benchmark nachbildet und dafür Gebühren verlangt, zwangsläufig über einen bestimmten Zeitraum schwächer entwickelten wird als der Index. Aufgrund von Tracking Errors ist der Umfang der Underperformance jedoch in der Regel erheblich höher als die Gesamtkostenquote. Im Gegensatz dazu erzielte unsere Strategie für Asien ohne Japan seit ihrer Auflegung im Jahr 2013 eine deutliche Outperformance. Darüber hinaus ist diese Outperformance seit dem jüngsten Markttief Anfang 2016 noch erheblich grösser geworden, ein klarer Beleg für die Wachstumsstärke der Unternehmen, in die wir investieren.


Autor: glc/cwe

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