im Fokus14.08.2017
FF World Fund – Wandel, Substanz, Marktstellung

Jeremy Podger, Fondsmanager des Fidelity World Fund.

Jeremy Podger, der von Morningstar Europe kürzlich zum Global Portfolio Manager of the Year gekürt wurde, spricht über die drei Jahre als Verantwortlicher für den Fidelity World Fund und wagt einen Blick in die Zukunft.

Als Jeremy Podger den Fidelity World Fund im Juni 2014 übernahm, legte er selber fest, welche Struktur der Fonds haben und welche Arten von Investments er halten sollte. Das Ziel war eine nachhaltige langfristige Wertentwicklung. Ausgehend von seiner langjährigen Anlageerfahrung entwickelte er eine Portfoliostruktur, die auf drei getrennte, sich ergänzende "Alpha"-Quellen setzt: 

  • Wandel – Unternehmen mit dem Potenzial für eine deutliche Wertsteigerung, wobei eine bevorstehende Restrukturierung, Fusions- und Übernahmeaktivitäten oder die Ausgliederung von Unternehmensteilen (Spin-off) als Katalysator in Betracht kommen
  • Substanz – Firmen, die mit ihrem Ertragswachstum die Markterwartungen übertreffen können, was eine Höherbewertung ihrer Aktien nach sich ziehen dürfte
  • Marktstellung – Unternehmen mit einer beherrschenden Position am Markt und erheblicher Preissetzungsmacht

Diese Struktur ermöglicht ein breit gestreutes Engagement an den internationalen Kapitalmärkten und verleiht dem Portfolio Flexibilität. Der Fonds konnte auf diese Weise eine gute Wertentwicklung erzielen, und das nicht nur in jüngerer Vergangenheit, als "Wachstumswerte" (Aktien von Unternehmen mit hohem erwarteten Ertragswachstum, unabhängig von der Bewertung) in einem wachstumsschwachen Umfeld am attraktivsten erschienen. Auch in Phasen, in denen die Märkte eine steigende Inflation erwarteten und "Substanzwerte" (niedrige Bewertung, unabhängig vom erwarteten Ertragswachstum) einen kräftigen Wiederanstieg erlebten, stimmten die Ergebnisse.

Als der Aufwärtstrend des Dollars begann, baute Fidelity das Engagement in den USA stark aus. Der Fonds hatte in den letzten drei Jahren im Durchschnitt etwas über die Hälfte seines Vermögens in den USA investiert (rund 58%), während viele andere aktive Fonds, deren Anlageschwerpunkt ebenfalls in den Industrieländern liegt, dort bis vor kurzem relativ zurückhaltend engagiert waren. Der Fonds erzielte in allen Regionen ausser im asiatisch-pazifischen Raum (ohne Japan) Zuwächse durch eine erfolgreiche Titelauswahl, doch die grössten positiven Beiträge kamen aus den USA. Bezogen auf das eingesetzte Kapital lieferten Grossbritannien und Japan über diesen Zeitraum allerdings noch bessere Ergebnisse. Kürzlich hat Podger sein Engagement in Nordamerika nach einer starken Wertentwicklung zurückgefahren.

Auf Sektorebene entfiel der grösste Teil der generierten Mehrrendite auf die Titelauswahl, besonders im IT- und Finanzsektor. In der IT-Branche erzielten Halbleiterhersteller und -ausrüster bessere Ergebnisse als andere Teilsektoren. Während alle Welt über Internet-, Social-Media- und FAANG-Aktien spricht, ist der Fidelity World Fund in diesen Titeln nicht engagiert (ausser in Alphabet). Unsere Abstinenz bei vielen dieser teuren High-Momentum-Titel hat die Wertentwicklung des Fonds jedoch nicht wesentlich beeinflusst. So hat die gute Performance von Alphabet das Fehlen von Amazon im Portfolio grossenteils wettgemacht. Bei Fidelity versucht man stets, die Rendite durch ein breites Spektrum an Aktien zu verbessern, statt auf nur einen oder zwei Titel zu setzen.

Als lohnend hat sich unser Engagement in US-Finanzwerten wie JPMorgan Chase, Citizens Financial Group, Citigroup und Morgan Stanley erwiesen. Gründe für das gute Abschneiden dieser Titel waren das bessere gesamtwirtschaftliche Umfeld und der Wiederanstieg der Zinsen in den USA.

Auch wenn kein Titel die Wertentwicklung massgeblich beeinträchtigt hat, waren Energiewerte wie Halliburton nicht immun gegen fallende Rohölpreise. Das untergewichtete Engagement in gewissen Unternehmen aus dem Bereich Grundbedarfsgüter, die mir als teurer Ersatz für Anleihen (so genannte "Bond Proxies") erschienen, schmälerte ebenfalls die relative Wertentwicklung des Fonds. Die meisten dieser Titel verkörperten jedoch nicht die Art von Potenzial, um die es mir geht.

Betrachtet man die vorliegenden Daten in ihrer Gesamtheit, gewinnt man den Eindruck, dass die Wachstumsraten ausserhalb der USA höher und die Bewertungen niedriger sind. Es stellt sich die Frage, was das für einzelne Unternehmen bedeutet und ob sich Anlagemöglichkeiten eröffnen, die unter Risiko-Rendite-Gesichtspunkten attraktiv sind.

Gewichtung von US-Aktien wird abnehmen
In den vergangenen drei Jahren hat der US-Aktienmarkt von der Stärke des Dollars und der Erwartung einer Zinsnormalisierung profitiert. Heute wissen die Anleger, wo man sich im Zinszyklus befindet, und haben ihre Portfolios entsprechend ausgerichtet. Nach seinem kräftigen Anstieg hat der US-Dollar offenbar nur noch relativ wenig Luft nach oben, und folglich erscheinen Regionen ausserhalb der USA interessanter. Dessen ungeachtet wartet der US-Aktienmarkt immer noch mit einer erstaunlichen Vielfalt an interessanten Möglichkeiten auf, besonders im Wachstumssegment. Auch künftig wird ein grosser Teil des Fondsvermögens in den USA angelegt sein. Mittelfristig ist jedoch davon auszugehen, dass die Gewichtung von US-Aktien nicht mehr so hoch sein wird wie in den letzten drei Jahren.

Japan hat die Yen-Schwankungen sehr deutlich zu spüren bekommen. Der Plan von Ministerpräsident Abe zur Ankurbelung der Konjunktur hat zu einer Beschleunigung der aktionärsfreundlichen Reformen im japanischen Unternehmenssektor beigetragen. Zum Teil ist es diesem Umstand zu verdanken, dass Japan das einzige Land ausserhalb der USA ist, in dem die Unternehmensgewinne in den letzten Jahren auf Dollarbasis gestiegen sind. Überdies hat sich Japans Aktienmarkt in den vergangenen drei Jahren nach den USA am besten entwickelt. Fidelitys Titelselektion bei japanischen Aktien hat demnach auch bedeutende Beiträge zur überdurchschnittlichen Wertentwicklung des Fonds geleistet. Die Bewertungen sind verglichen mit dem Rest der Welt weiterhin attraktiv und Podger geht davon aus, dass man in Japan künftig in allen drei Anlagekategorien - Wandel, Substanz und Marktstellung - interessante Möglichkeiten entdecken wird. In den zurückliegenden drei Jahren fielen die japanischen Investments hauptsächlich in die Kategorie Substanz.

In Europa haben die Marktbewegungen der letzten Zeit einen Teil der Unterbewertung gegenüber den USA korrigiert, so dass sich die Bewertungen an den europäischen Märkten relativ zu den USA jetzt wieder etwas normalisiert haben. Die wirtschaftliche Dynamik ist nach wie vor positiv, und die unmittelbaren politischen Risiken sind etwas in den Hintergrund gerückt, nachdem die Präsidentschaftswahlen in Frankreich hinter uns liegen. Im Blick behalten muss man allerdings politische Problemlagen in anderen europäischen Ländern.

Der britische Aktienmarkt hat in den letzten zwei Jahren deutlich schwächer abgeschnitten als der Rest der Welt. Zum Teil war dies auf Entwicklungen an den Devisenmärkten zurückzuführen, die mit der Ungewissheit über die Brexit-Verhandlungen zusammenhingen. Der Effekt der Pfundschwäche des Jahres 2016, die sich mittlerweile in den Reallöhnen niederschlägt, könnte Einfluss auf künftige Konsumentscheidungen der britischen Verbraucher haben. Alles in allem sind die Bewertungen nicht stark genug gesunken, um wirklich überzeugende Anlagechancen zu eröffnen und uns zu einer Ausweitung des Engagements in Grossbritannien zu veranlassen.

Der Fonds dürfte insgesamt recht gut aufgestellt sein. Die gehaltenen Titel sind im Durchschnitt niedriger bewertet als der globale Markt, und das bei etwas höheren Erwartungen für Gewinn- und Umsatzwachstum und vergleichsweise soliden Bilanzen. Wie immer ist jedoch Flexibilität der entscheidende Faktor.

FF World Fund auf einen Blick:

Lancierung:06.09.1996
Domizil:Luxemburg
Basiswährung:EUR
ISIN-Nummer:LU0069449576

 

 

Fondsinformationen von Morningstar


Autor: jog

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